Saudi-Arabien: Ein bisschen Frühling

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Mit der Vision 2030 gab Saudi-Arabien dieses Jahr ein umfangreiches Reformprogramm bekannt, mit dem das Land langfristig vom Öl unabhängiger werden will. Dr. Alexander Koldau, VDMA Außenwirtschaft, erklärt im Gespräch, welche Auswirkungen die Pläne für deutsche Unternehmen vor Ort haben.

Herr Dr. Koldau, was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichsten Eckpunkte der Reformpläne?

Dr. Koldau: Um die Vision 2030 zu erreichen, hat das Königshaus ein National Transformation Program 2020 aufgesetzt. Darin sind Maßnahmen für nahezu alle Ministerien und Bereiche formuliert. Die Pläne betreffen beispielsweise den Energiesektor, der künftig vor allem in erneuerbare Energien investieren soll. Für den Arbeitsmarkt ist vorgesehen, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu erhöhen. Die Mindestanzahl für einheimische Mitarbeiter wird künftig wohl auch für kleine Unternehmen steigen. Genauso wie der politische Druck auf Unternehmen, sich vor Ort zu engagieren – sei es bei Ausbildung oder mit eigener Produktion.

Gerade die letzten beiden Punkte betreffen Mitgliedsunternehmen, die entweder schon in Saudi-Arabien vertreten sind oder planen, eine Dependance zu eröffnen.

Dr. Koldau: Richtig. Dafür muss man die Wirtschaftsstruktur näher betrachten. Es gibt nur einen kleinen Mittelstand. Der Großteil der Saudis arbeitet in staatlichen Einrichtungen und Unternehmen. Entsprechend hoch ist das Lohnniveau und gleichzeitig ist das Interesse, in die Privatwirtschaft zu wechseln, eher gering. Das macht es schwierig und vor allem teuer für deutsche Unternehmen, geeignete Mitarbeiter zu finden. Frauen einzustellen, war bisher sehr kompliziert. Die Öffnung des Arbeitsmarkts für saudische Frauen könnte hier tatsächlich helfen. Denn die Frauen sind sehr gut ausgebildet, haben mitunter im Ausland studiert und sind entsprechend motiviert.

Es sind verglichen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten relativ wenige deutsche Unternehmen in Saudi-Arabien vertreten. Woran liegt das?

Dr. Koldau: Das hat mehrere Ursachen. Es fängt bei vermeintlich einfachen Faktoren an. Es gibt immer wieder Visa-Probleme. Die Verfahren sind langwierig und die Entsendung eigener Mitarbeiter, um beispielsweise einen Standort in Saudi-Arabien aufzubauen, wird so kompliziert und teuer. Wir hören auch immer wieder von Problemen bei Rechtsstreitigkeiten. Hier können wir eigentlich nur empfehlen, den Rechtsweg eher zu vermeiden und das außergerichtlich zu klären.

Grundsätzlich ist in Saudi-Arabien relativ wenig Verarbeitendes Gewerbe angesiedelt, wodurch die Marktattraktivität für Maschinen- und Anlagenbauer sicherlich schon eingeschränkt ist, wenn man nicht gerade einen klaren Fokus auf Öl und Gas hat. Und nun könnten durch das National Transformation Program eben weitere politische Stolpersteine für ausländische Firmen gelegt werden. Andererseits bietet das Programm auch Chancen, wenn es gelingt die Privatwirtschaft zu stärken und vor Ort mehr Industrie anzusiedeln.

Wir beobachten das natürlich weiter sehr genau und informieren interessierte Mitgliedsunternehmen.

Vielen Dank für das Gespräch, Dr. Koldau.

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