Autonome Mobilität

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Die Vision von selbständig fahrenden Fahrzeugen über Autobahnen und durch Städte wird noch etwas dauern. Im Luftraum und auf Betriebsgeländen gibt es bereits interessante Anwendungsbeispiele. Darüber sprachen wir mit Christian Janke, Assistant Professor am College of Aeronautics, Embry-Riddle Aeronautical University-Worldwide und Partner & Advisor DroneMasters GmbH.

Herr Janke, wie sehen Sie die Zukunft der Mobilität und wie bewerten Sie diese im Hinblick auf ihre Auswirkungen und Sicherheit?
Die Zukunft der Mobilität ist definitiv autonom, wobei man zwischen bemannter und unbemannter Mobilität unterscheiden kann. Ich denke, es wird beide Varianten geben. Wobei sich für die Logistik unbemannte autonome Systeme sicherlich besonders gut eignen. Autonome Fahrzeuge und Transportsysteme können sicherer sein als die jetzige Verkehrssituation. Die größte Problematik aus jetziger Sicht ist jedoch die Regulierung von Verkehrsregelung, Haftung und Versicherung. Und ein weiterer Aspekt ist die Akzeptanz. An Maschinen wird ein anderer Maßstab an Sicherheit gestellt als an Menschen. Folglich wird hier die Sicherheit an den Unfällen gemessen. Das zeigen ja auch Beispiele von Tests mit autonomen Fahrzeugen in den USA. Die mediale Aufmerksamkeit und Diskussion nach Unfällen ist hier besonders intensiv.

Christian Janke

"Für bestimmte Transportaufgaben sind Drohnen hochgradig geeignet."


Würden Sie in eine Taxidrohne oder einen autonom fahrenden Bus steigen? Wie sehen Sie die Vorbehalte gegen autonome Fahrzeuge?
Ich würde definitiv beides nutzen, den Bus in jedem Fall, weil er ja langsamer unterwegs ist. Bei Drohnen oder Flugtaxis würde ich genauer hinschauen. Es gibt durchaus heute schon Systeme, die ich als sehr sicher und robust einschätze. Hier sind etwa genügend elektrisch angetriebene Rotoren vorhanden, dass auch bei einem Ausfall von zwei oder drei Rotoren ein stabiler Flug und Landung gewährleistet ist oder es gibt ein Fallschirmsystem an Bord. In solche Systeme würde ich mich schon setzen.

Was die Vorbehalte betrifft, hatte ich ja gerade schon unser Sicherheitsverständnis erwähnt. Da sind wir Menschen weniger rational, sondern treffen Entscheidungen emotional. Dies führt häufig dazu, dass tatsächliches Risiko und eingeschätztes Risiko stark divergieren. Es wird an der Regulierung liegen, wie wir künftig solche Technologien bewerten. Aktuell greift ja die Fahrerhaftung. Diese Denkweise und Regelungen werden also für autonome Systeme weitegedacht werden müssen.

Welche Rolle spielen Drohnen Ihrer Meinung nach für die Logistik?
Für bestimmte Transportaufgaben sind Drohnen hochgradig geeignet. Das trifft zu, wenn folgende Faktoren zusammentreffen: die Lieferung ist klein und leicht, sie hat einen hohen Wert und muss schnell zugestellt werden. Dafür sehe ich im urbanen Umfeld große Chancen, aber auch überall dort, wo der Bodentransport problematisch wird, wie bspw. bei Inseln oder schlechter Bodeninfrastruktur. Insgesamt sind dann Kosten gegen Schnelligkeit abzuwägen. Ein anderer Faktor ist auch, wenn eine Bevorratung nicht möglich ist, wie bspw. bei Blutkonserven. Hier werden in Afrika schon erfolgreich Drohnen eingesetzt. Die Konserven werden dort mit kleinen Fallschirmen über dem Zielort abgeworfen.

Ein weiteres aktuelles Beispiel ist die Drohnenzustellung des chinesischen Internethändlers JD.com in einer chinesischen Provinz. An Drohnen mit höherer Tragkraft wird an unterschiedlichen Stellen weltweit gearbeitet. Drohnen mit höherer Tragkraft und Flugausdauer werden sich in Zukunft definitiv auf bestehende Logistikprozesse auswirken.

Noch ein Blick in die Produktionslogistik: welche Rolle spielen autonome Transportsysteme da? Welche Entwicklungen sehen Sie hier?
Drohnen machen im Produktionsumfeld Sinn, wenn Bedarf an kurzfristiger Verfügbarkeit besteht. Das können bspw. Ersatzteile oder andere dringend benötigten Teile für die Fertigung sein. Weiterhin könnte auch ein Bedarf bestehen, Proben aus der Produktion für eine Qualitätskontrolle schnell ins Labor zu transportieren. Das sind Aufgaben, die Drohnen grundsätzlich auch erfüllen könnten, wobei für das erste Szenario heute durchaus noch Beschränkungen bei der Traglast bestehen. Aber kleinere und leichte Teile lassen das durchaus schon zu. Auch für den „klassischen“ Drohneneinsatz als Sensorplattform in der Produktionslogistik gibt es sehr viele potentielle Anwendungen, wie etwa Inventuren oder Überwachungsaufgaben. Abseits vom Transport in der Luft kommen in der Produktionslogistik auch am Boden fahrerlose Transportsysteme zum Einsatz, die zunehmend autonomer agieren. Praxisanwendungen dazu gibt es mittlerweile zu Hauf.

 

Christian Janke: Assistant Professor, College of Aeronautics, Embry-Riddle Aeronautical University-Worldwide für die Studiengänge Bachelor of Science in Unmanned Systems Applications und Master of Science in Unmanned Systems; Partner & Advisor DroneMasters GmbH