Geht Intralogistik künftig mit Drohnen in die Luft?

Adobe Stock -- tiero

Initiative des Fachverbands erfolgreich gestartet

Nicht weniger als die nahtlose Integration von Drohnen in Intralogistikprozesse ist eines der Ziele des neuen Arbeitskreises Drohnen in der Intralogistik. Dies soll unter anderem mit einer „Unified Intralogistics Communication And Map – API“ erreicht werden. Daneben stehen auch einheitliche technische Standards und eine klassische Typ-C-Norm auf der To-do-Liste.

Bevor es jedoch darum ging, die ersten Arbeitsschwerpunkte zu definieren, stand beim Kick-off zur Gründung des Arbeitskreises am 31. Januar 2019 erst einmal ein intensiver Austausch zum Thema Drohnen an. Was heute mit Drohnen bereits möglich ist und wohin es in Zukunft gehen kann, zeigten die Impulsvorträge der eingeladenen Anbieter kommerzieller Drohnen-Lösungen, Anwender sowie Vertreter aus der Forschung. Denn je nach beabsichtigtem Einsatzszenario bestehen mehr oder weniger hohe Hürden auf dem Weg zu einem funktionierenden Use Case.

Für Inventurprozesse gibt es bereits kaufbare Produkte und Dienstleistungen, wie Tim Mackerodt vom Start-up doks.innovation eindrucksvoll vortrug und mit konkreten Projektergebnissen belegte. Das Unternehmen ist aber nicht nur in Lagergassen im Gebäude unterwegs, sondern kann auch unter freiem Himmel Bestände im Außenlager zählen sowie Materialtransporte auf Firmengeländen wie z.B. eilige Materialproben autonom transportieren. Dass nicht nur standardisierte Materialprobenbehälter, sondern auch beliebige Ersatzteile für die betriebliche Instandhaltung mit Drohnen autonom innerhalb von Betriebsgeländen verteilt werden können, stellt seit einigen Monaten ZF Friedrichshafen unter Beweis. Um lange Laufwege für das rare Instandhaltungspersonal zu reduzieren, werden alle Teile bis 1 kg mit einer Drohne an das jeweilige Hallentor zugestellt. Schwerer ist übrigens der Großteil aller Onlinebestellungen auch nicht.

Mehrjährige Erfahrung und Kompetenz für die Entwicklung von Drohnensystemen kann sich die IAV GmbH Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr auf die Fahnen schreiben. Die von Enrico Neumann gezeigten Anwendungsfälle der Drohne am Kabel eignen sich offenkundig für einige Aufgaben im Überwachungs- und Vermessungsbereich hervorragend, in der Intralogistik wurde das Konzept von Linde Material Handling auch schon in Verbindung mit einem Flurförderzeug eingesetzt.

In den Diskussionen zu den Impulsvorträgen sammelten die Teilnehmer wichtige Erkenntnisse zu den Einsatzgrenzen von Drohnen, den noch bestehenden und schon gelösten Herausforderungen bzgl. Batterien sowie den notwendigen Genehmigungsprozessen bzgl. Luft- und Ordnungsrecht. Bei Letzterem deutet sich bereits an, dass das föderale System Deutschlands unschöne Stilblüten treibt und eine der Aktivitäten des neuen Arbeitskreises mag hierzu politische Interessenvertretung sein, um passende Use Cases wenigstens deutschlandweit einigermaßen einheitlich ausrollen zu können.

Aha-Erlebnisse gab es ebenso in der Feststellung, dass die verfügbaren Consumer-Drohnen zwar für kleines Geld hervorragende Ergebnisse auf Feld, Wald und Wiese abgeben und beeindruckende Videobilder einfangen, im industriellen Umfeld aber bereits bei einfacheren Navigations- und Flugaufgaben kläglich versagen. Somit ist ein gewisser Industriestandard für Drohnen noch offen.

Als Unfallversicherungsträger beschäftigt sich die BGHW Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik, beim Kick-off vertreten durch Dr.-Ing. Hans-Peter Kany, ebenfalls mit dem Drohneneinsatz. Die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) verfügbare Handlungsanleitung „Unbemannte Luftfahrtsysteme – UAS (Drohnen) – Einordnung und rechtliche Rahmenbedingungen“ wird derzeit von der BGHW aktualisiert. Der neue Arbeitskreis wird diese Überarbeitung für den Einsatzbereich Logistik als beratendes Gremium aktiv begleiten.

Auch Markus Lieret vom Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik an der Universität Erlangen konnte interessante Use Case-Ansätze aus dem Labor, bzw. von prototypischen Umsetzungen berichten. Neben dem immer wieder genannten Schwerpunkt bei Sensoren und deren smarter Migration hat man sich am Lehrstuhl auch der ganz klassisch-technischen Frage gestellt, wie die Lärmemission einer Drohne reduziert werden kann. Durch aerodynamische Optimierungen und Einhausung der Propeller ließen sich bereits dramatische Geräuschreduzierungen bei nur moderaten Effizienznachteilen erreichen. Dieses Beispiel zeigt, dass Drohnen-Hardware zwar im Grundsatz gut und günstig verfügbar, aber in den einzelnen Komponenten noch hinreichendes Optimierungspotenzial vorhanden ist.

Das nächste Treffen des Arbeitskreises ist für den 27. Mai 2019 geplant. Interessenten können sich vorab bei Juliane Friedrich, juliane.friedrich@vdma.org über eine mögliche Teilnahme informieren.