5G verspricht weitreichende Vernetzung

Deutsche Telekom AG

Der Versteigerungsmarathon um 5G ist abgeschlossen. Nun kann es an die Umsetzung gehen. Die Deutsche Telekom AG hat dazu vor einigen Wochen den „hubraum 5G Ecosystem Summit“ veranstaltet, bei dem 18 Unternehmen aus 9 Ländern ihre 5G-Ideen prototypisch umsetzen konnten. Eines dieser Unternehmen war die E&K AUTOMATION GmbH aus Rosengarten. Jan Drömer, CIO bei der E&K AUTOMATION GmbH, erklärte uns, wie es zu dem Projekt kam und welche Chancen E&K vom neuen Mobilfunkstandard für sich und für die Branche erwartet.

Herr Drömer, wie kam es zur Beteiligung am „hubraum 5G Ecosystem Summit“ und was genau hat E&K in dem Projekt gemacht?

Der Kontakt entstand über einen Partner im Forschungsprojekt „INUITIV“. Die Telekom war auf der Suche nach einem FTS-Hersteller für den Summit. Aus insgesamt 350 Unternehmen unterschiedlichster Branchen wurden schließlich 18 ausgewählt und erfreulicherweise gehörten wir auch dazu.

Wir haben für das Prototyping unseren Transportroboter mit 3D-Sensorik ausgestattet und die Sensordaten über das 5G-Netz in eine Edge Cloud übertragen, um die Potenziale der Datenverarbeitung im Mobilfunknetz zu demonstrieren. Ermöglicht wird dies insbesondere durch die Kombination aus den sehr geringen Latenzen und den hohen Bandbreiten im 5G-Netz. So konnten wir erfolgreich zeigen, dass die Hinderniserkennung und Fahrzeugsteuerung in „Echtzeit“ in der Edge-Cloud funktioniert.

Spannend für uns – und das haben wir in unserem Showcase gezeigt – ist die Option, dass die Datenverarbeitung nicht mehr auf dem Fahrzeug selbst erfolgen muss. Die Geräte sind als Investitionsgüter viele Jahre im Einsatz. Die Rechner, die wir dabei heute einbauen, sind in ihrer Leistung begrenzt. Es wäre sehr interessant, wenn auf den Fahrzeugen zukünftig nur noch eine Vorverarbeitung oder Komprimierung der Daten und die komplette Verarbeitung in der Cloud stattfindet. Das Ganze nahezu in Echtzeit, sodass dieser Prozess während der Fahrt abläuft.

Jan Drömer, CIO E&K AUTOMATION GmbH

Wie geht es nun nach dem Summit weiter?

Wir verfolgen die Idee unseres Prototypen technisch und kommerziell weiter und haben dazu mit der Telekom eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Unsere Vision ist es, unsere FTS standardmäßig mit Mobilfunk ausstatten zu können. Wir sind bestrebt, unsere Fahrzeuge intelligenter zu machen, und eine Datenverarbeitung in der Cloud wäre ein Schritt in diese Richtung. Natürlich dauert es, bis die Netze aufgebaut sind. Aber darauf arbeiten wir hin.

Was verspricht sich E&K noch von 5G?

Zunächst versprechen wir uns für unsere Kunden eine einfache, zuverlässige Vernetzung, und, damit verbunden, verkürzte Inbetriebnahmen. Darüber hinaus möchten wir für unsere Kunden Mehrwert schaffen. Bleiben wir beim Beispiel Hinderniserkennung: Wir sind heute in der Lage, Hindernisse in Position und Größe zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Wichtig für dynamische Systeme wäre allerdings nicht nur zu sehen, um was es sich konkret handelt, sondern z.B. zu bestimmen, wie sich ein Hindernis in Zukunft verhalten wird. Ist es ein Mensch, könnte man ihn automatisiert ansprechen. Ist es ein anderes Fahrzeug, verschwindet es von selbst? Diese Intelligenz, bzw. die dafür notwendige Rechenleistung, lässt sich kaum auf dem Fahrzeug bereitstellen, mit 5G wird das jedoch möglich sein. Der Mobilfunkstandard verspricht ein kontrolliertes Netz, das solche Datenverarbeitungen ermöglichen kann.

Wie bewerten Sie das Potenzial von 5G für die gesamte Intralogistikbranche?

Das Potenzial ist sicher hoch. Zunächst steht zusätzliches Frequenzspektrum abseits der häufig ausgelasteten WLAN-Bänder zur industriellen Nutzung zur Verfügung. Dann bietet 5G eine sehr hohe internationale Standardisierung und schließlich verschafft die SIM-Karte einem Gerät ja auch noch eine eindeutige Identität. Stellen wir uns vor, dass ein flächendeckendes Netz besteht, in dem die unterschiedlichen Geräte verschiedener Hersteller mit Mobilfunktechnik ausgestattet sind. Dann ist ein ganz anderer Grad an Vernetzung möglich und damit natürlich auch neue Möglichkeiten für Prozesse und Produkte, Services oder gleich ganz neue Geschäftsmodelle.

Wie arbeiten Sie konkret an 5G weiter?

Wir evaluieren, wie wir 5G für unsere Kunden nutzbar machen können. Für uns stehen dabei gemeinsam mit der Telekom die Campusnetze, also von Providern jeweils für einen Kunden an seinem Standort bereitgestellte, private Mobilfunknetze, besonders im Fokus. Diese (virtuelle) Segmentierung vom öffentlichen Netz ermöglicht dann, Anforderungen hinsichtlich Verfügbarkeit und Performance dezidiert auszugestalten. Wir sind mit einem unserer Partner gerade dabei, ein erstes solches FTS-Projekt in einem Campusnetzwerk zu realisieren.

Wie wird aus Ihrer Sicht die Bereitstellung von 5G erfolgen?

Beim Prototyping in Berlin stand ein Testnetz zur Verfügung. Der Rollout ist gestartet. Bis Ende des Jahres soll laut Telekom 5G in sechs deutschen Städten verfügbar sein und in den nächsten 18 Monaten sollen die 20 größten Städte Deutschlands mit 5G angebunden werden. Speziell für den Einsatz in Industrie und Wirtschaft wäre die flächendeckende Verfügbarkeit sehr wichtig. Was das Mobilfunknetz angeht, liegen wir im internationalen Vergleich in Deutschland zurück. 5G bietet die Chance, das zu ändern, zumal gerade für Unternehmensanwendungen besonders die Campus-Netze interessant sind. Natürlich muss auch der allgemeine Ausbau weiter intensiviert werden.

Vielen Dank für das Gespräch.