Digitalisierung? Geht nicht mehr weg.

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Rückblick auf das Mitgliedertreffen des Fachverbands am 25. und 26. September 2019

Die Intralogistik wird autonomer: ob Kommissionierroboter oder Fahrerlose Transportsysteme oder gleich mit Drohnen in der Luft. In der Zukunft agieren die Systeme deutlich autonomer, sollen selbst lernen und sich damit optimieren. Welche technologischen Möglichkeiten Anwender ausschöpfen möchten und welche neuen Geschäftsmodelle und -felder sich entwickeln lassen, stand im Fokus des Mitgliedertreffens im VDMA-Fachverband Fördertechnik und Intralogistik am 25. und 26. September 2019.

Nachdem Prof. Dr. Martin-Niels Däfler zunächst gedankliche Barrieren eingerissen und die Teilnehmer auf einen offenen Umgang mit Digitalisierung und den damit verbundenen Veränderungsprozessen eingestimmt hat, ging es um die Kundensicht auf die Intralogistik. Welche Wege möchten Anwender einschlagen und welche Auswirkungen und Anforderungen hat das auf und an die Intralogistik? Dazu gaben Dr. Joachim Michniewicz und Georg Flörchinger von der BMW AG sowie Victor Splittgerber von Zalando Antwort. BMW setzt auf offene Plattformen und steuert seine Produktion und Produktionslogistik über ein cloudbasiertes System. Dabei werden die Prozesse agiler und gleiches wird auch von der Intralogistik erwartet. Am Beispiel von Fahrerlosen Transportsystemen zeigten Michniewicz und Flörchinger auf, wie sich BMW die Kommunikation und Navigation der Systeme vorstellt und wie unterschiedliche Systeme verschiedener Hersteller dabei zum Einsatz kommen sollen. In diesem Zusammenhang kamen beide auch auf das gemeinsame Schnittstellenprojekt von VDA und VDMA-Fachverband Fördertechnik und Intralogistik. Zwar steht Innovation ein wenig im Widerspruch zu Standardisierung, jedoch hofft BMW mit den Schnittstellen im „Open Source“-Ansatz auf einen schnellen Einzug in die Standards zu finden.

Andere Herausforderungen gelten für den e-Commerce. Hier sind es vor allem klassische Lagerprozesse, bei denen der Optimierungsbedarf durch neue Intralogistiklösungen besteht. Welche Wege beispielsweise Zalando dazu geht, erklärte Victor Splittgerber, der bei dem Online-Modehändler den Bereich Robotics und Logistikinnovationen leitet. Neben neun bestehenden Logistikzentren entstehen aktuell sechs weitere Standorte. Speziell im e-Commerce-Bereich werden viele Prozesse noch manuell durch Mitarbeiter ausgeführt. Zalando versucht, ergonomisch unvorteilhafte Tätigkeiten zu automatisieren. Splittgerber zeigte offen die Potenziale aber auch die Startschwierigkeiten auf, die Zalando bei der Einführung von Kommissionierrobotern hatte. Da jedoch lediglich bei der Software nachgebessert werden musste und nicht bei der Hardware, waren die Probleme durch das liefernde Startup schnell behoben.

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Dass auch völlig neue Lösungen die Intralogistik bereichern können, zeigte Benjamin Federmann, Gründer und Geschäftsführer von doks. innovation. Das junge Unternehmen setzt auf Automatisierung in der Luft und nutzt dabei Drohnen. Diese kommen beispielsweise zur Inventur oder Bestandserfassung zum Einsatz, aber auch zum Transport, wie beispielsweise beim jüngsten Projekt mit thyssenkrupp Steel. Hier liefert die Transportdrohne Laborproben aus. Der Fachverband beschäftigt sich nach einem Vorstandsbeschluss bereits seit Anfang letzten Jahres intensiver mit Drohnen und hat dazu einen eigenen Arbeitskreis gegründet, der ebenfalls im Rahmen des Mitgliedertreffens tagte und sich mit den industriellen Anwendungsmöglichkeiten von Drohnen beschäftigt.

Natürlich gilt es für Intralogistikanbieter auch, neue Geschäftsfelder für sich zu entdecken. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten in bestehenden Märkten, gilt dieses Credo aktuell besonders stark. Eine Möglichkeit könnte künftig Vertical Farming bieten. Dazu lud der Fachverband Simon Vogel vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie, IME ein. In seinem Vortrag stellte er nicht nur die Notwendigkeit neuer Konzepte für die Landwirtschaft und Agrarproduktion heraus, sondern zeigte auch auf, wie die Intralogistik in diesem neuen Marktsegment künftig partizipieren könnte. Neben der Ausrüstung, die im Prinzip einem Hochregallager ähnelt, stellte Vogel eine Produktionsanlage vor, die auf einem Förderband beruht und auf der in orbitaler Kultivierung krautige Pflanzen wie z.B. Salat oder Basilikum wachsen können. Übrigens, das Thema Vertical Farming haben wir bereits im Frühjahr im Rahmen einer Studie des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO beleuchtet.

Die Geschäftsstelle bedankt sich für die rege Teilnahme und den spannenden Austausch. Die Rückmeldung der Teilnehmer ergab, dass der Themenfokus Zukunft richtig gewählt war. Insgesamt gaben die Teilnehmer des Mitgliedertreffens der Geschäftsstelle für Organisation und Durchführung die Schulnote gut mit Tendenz zu sehr gut.

Das nächste große Mitgliedertreffen aller fünf Fachabteilungen findet in vier Jahren statt.