AGV Mesh-Up – Interoperabilität im Fokus

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Fahrerlose Transportsysteme spielen in der Smart Factory für Materialversorgung und Planung der Produktionsstationen eine entscheidende Rolle. Vernetzung ist nicht nur das Stichwort für die Produktionsplanung, sondern auch für die Fahrzeuge selbst. Bislang sind die unterschiedlichen Fahrzeugtypen der verschiedenen Hersteller mit eigenen Kommunikationsprotokollen unterwegs – eine Herausforderung für die Vernetzung.

Deshalb arbeitet ein Projektteam aus FTS-Nutzern und FTS-Herstellern unter Koordination des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) und des VDMA-Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik an der Entwicklung einer neuen Schnittstelle, mit der Fahrerlose Transportsysteme und Steuerungssoftware herstellerunabhängig miteinander kommunizieren können. Verschiedene Hersteller und Forschungsinstitute zeigen auf der HANNOVER MESSE 2020 erstmals den aktuellen Stand des Projekts live.

Der Eventname ist an ein Mesh-WLAN angelehnt, bei dem unterschiedliche Komponenten ineinandergreifen und als ein einheitliches WLAN gesehen werden. Beim AGV Mesh-Up fahren verschiedene Fahrerlose Transportsysteme (englisch: Automated Guided Vehicle – kurz AGV) ebenfalls in einem System. Dabei arbeiten die Fahrzeuge mit unterschiedlichen Navigationsarten (beispielsweise liniengeführt, Magnetpunkt, Konturbasiert, SLAM), fahren aber in einem gemeinsamen Leitsystem und kommunizieren auch über dieses in einer gemeinsamen Datensprache.

Fraunhofer IML

Fraunhofer IML
Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML hat mit FLIP® ein extrem schlankes Fahrerloses Transportfahrzeug mit innovativer Lastaufnahme entwickelt. Der »Flexible Lifter for Intralogistics and Production« nimmt Behälter und Behälterstapel mit einer Bewegung auf, die an einen Grashüpfer erinnert: Mit seinen Beinen umschließt FLIP® die Waren während der Fahrt und hebt sie gleichzeitig an. Er benötigt keinerlei besondere Übergabestationen, sondern kann Behälter – auch bei wenig Platz – überall direkt auf den Boden absetzen und von dort wieder aufnehmen. Gesteuert wird FLIP® über eine vom Fraunhofer IML entwickelte Navigationssoftwarebibliothek, die um einen präzisen Navigationssensor erweitert wurde. Dieser vermisst während der Fahrt Bodenmerkmale und liefert Bewegungs- und Positionsdaten. So erreicht FLIP® auch in dynamischen Umgebungen ohne zusätzliche Infrastruktur eine sehr hohe Genauigkeit – ein weiterer Schritt in Richtung infrastrukturlose Intralogistik.

Fraunhofer IPA
Eines der augenfälligsten Exponate des Fraunhofer IPA ist »Transportation on demand«: Auf einer erhöhten Ausstellungsfläche fahren kompakte mobile Roboter, die autonom navigieren, untereinander vernetzt sind und ein miniaturisiertes Logistikszenario zeigen. Dank eines SLAM-Algorithmus können sich die Roboter auch in veränderlichen Umgebungen verlässlich lokalisieren. Zudem tauschen sie Daten eigener oder stationär in der Fabrikhalle verbauter Sensoren aus. So liegt jedem Roboter stets eine aktuelle Karte vor, mit der er seine Route anpassen und sich lokalisieren kann. Das vermeidet unnötige Wege, Engpässe und Stillstände. Da die vom Fraunhofer IPA entwickelte Plattform zur Auftragsverteilung herstellerunabhängig ist und die Schnittstelle VDA 5050 nutzt, können beliebige mobile Roboter in die Flotte integriert werden.

STILL

KION Group AG
Der automatisierte LTX 50 iGo systems mit automatisierter Be- und Entladung ist eine innovative Routenzuglösung, mit dem STILL einen unterbrechungsfreien automatisierten Warenfluss bis ans Produktionsband darstellen und so die taktgesteuerte Belieferung von Produktionslinien noch wirtschaftlicher gestalten kann. Diese Lösung mit dem automatisierten Schlepperfahrzeug LTX 50, den automatisierten LiftRoller-Elementen und entsprechenden Übergabestationen kann vor allem für die Ver- und Entsorgung der Produktion, bei dualem Betrieb, für das automatisierte Lasthandling und für den automatisierten Streckentransport eingesetzt werden. Gleichzeitig ermöglicht es Kunden eine effiziente und schlanke Produktionsversorgung zu realisieren und ihr innerbetriebliches Verkehrsaufkommen zu reduzieren. Die wichtigste Innovation des automatisierten Routenzuges besteht in der Kombination des automatisierten Fahrens und des automatisierten Lasthandlings für unterschiedliche Behältergrößen. Beim manuellen Routenzugeinsatz war das Lastgewicht auf circa 500 Kilogramm je Anhänger limitiert, da die Last mithilfe von Manpower vom Trolley herunter- bzw. herausgeschoben werden musste. Jetzt können jedoch auch Lasten von bis zu 1.200 kg per Rahmen zur Produktion gebracht werden.

incubedIT
Neben der Lokalisierung- und Navigationssoftware für autonome freifahrende Transportroboter bietet der Flottenmanagementserver von incubed IT auch die Abbildung von Anlagenlogik für die Abwicklung von Geschäftsprozessen in der Lagerlogistik, in der Produktion und in diversen anderen Branchen. Die Lokaliserung basiert auf verlässlichen Laserdaten. Für die autonome Naviagtion müssen Fahrwege nicht im Vorhinein bestimmt werden, unsere Lösung findet immer den richtigen Weg, Sie sagen einfach wo es hingehen soll. Installations- und Konfigurationsdaten werden vom Flottenmanagementserver verwaltet, er bietet eine vereinheitlichte, zentrale Ablage von Softwareversionen die mithilfe der sogenannten "One-Click Installation" automatisch auf die Flotte ausgerollt werden können.

Insystems (ASTI)

Insystems (ASTI)
Das Transportsystem kommt ohne Übergabestationen oder Förderbänder aus. Das Fahrzeug nimmt die Last automatisch auf, indem ein Laserscanner Position und Ausrichtung des Stapels erkennt und es so manövriert, dass die Last in den Laderaum eingefädelt wird. Der Stapel wird angehoben und geklemmt und somit im Laderaum gegen ungewolltes Verrutschen abgesichert. Dadurch stehen die Stapel stabil und das Fahrzeug kann mit größerer Geschwindigkeit fahren. Der proANT Transportroboter navigiert frei in der einmalig eingelernten Produktionsumgebung und umfährt Hindernisse personensicher oder entscheidet sich selbstständig für Alternativrouten.

Der Stacklifter kann als Alternative zu Rollwagen oder Unterfahr-FTS in Lager und Produktionshallen eingesetzt werden. Durch die einfache Lagerung auf dem Boden lassen sich schnell und kostengünstig Pufferbereiche für die Materialbereitstellung von Schüttgut, Kleinteilen oder kommissionierten Bauteilen an Maschinen und Montagearbeitsplätzen einrichten.

Gebhardt Fördertechnik GmbH

Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – Institut für Fördertechnik und Logistiksysteme (IFL) / Gebhardt Fördertechnik GmbH
Der Trend in Industrie und Logistik geht stark in Richtung Digitalisierung und Automatisierung. Durch die gestiegenen Kundenanforderungen in Bezug auf kurze Liefertermine und eine hohe Liefertermintreue steigt der Bedarf nach automatisierten Lösungen stark an. Hier kann das GEBHARDT GridPick System unterstützen. Mittels eines automatisierten Materialflusses innerhalb des Lagers kann die Effizienz der Mitarbeiter gesteigert und Kosten gesenkt werden. Mit dem GEBHARDT GridPick gelingt der Einstieg in die Automatisierung mittels eines „halb automatischen“ Kommissioniersystems. Die Nutzung des Systems führt augenblicklich dazu, dass die Produktivität der Mitarbeiter gesteigert wird.

Die neue halbautomatische Kommissionerlösung hilft dank maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. Der Kommissionierroboter bewegt sich agil mit Hilfe von Sensoren durch das Lager – meist auch ohne Anpassungen an den bestehenden Infrastrukturen und Regalsystemen vorzunehmen.

SSI Schäfer

SSI Schäfer
Als FTS für innerbetriebliche Warentransporte wurde das Weasel von SSI Schäfer konzipiert. Durch seine hohe Flexibilität und Skalierbarkeit lässt es sich einfach in die Transportabläufe eines Lagers einbinden. Ob Behälter, Kartons oder andere Produkte unterschiedlichster Größe – das Weasel meistert nahezu alle Transportaufgaben.

Es überzeugt durch zahlreiche Vorteile. Die Barrierelosigkeit im Lager ermöglicht eine freie Zugänglichkeit und schafft Raum für Personal und Materialflüsse. Die Navigation der Fahrzeuge erfolgt entlang einer optischen Fahrspur, die einfach, schnell und flexibel angebracht werden kann. Durch seine kompakte Bauweise lässt sich dieses FTS selbst in unzugänglichen Bereichen einsetzen. Ob eine feste oder eine bedarfsgebundene Einbindung zur Bewältigung von Leistungsspitzen – das Weasel ist flexibel hinsichtlich System-Anpassungen und Erweiterungen.